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Kulturgut

Gerade gefunden:
https://litblog.literaturwelt.de/archive/2006/09/25/aufruf_onlinedemo_gegen_kultur/olivers_blog

Aufruf: Online-Demo gegen Kulturausverkauf in Baden-Württemberg
Hallo!
Mit dieser Mail bittet Sie der Verband deutscher Schriftsteller (VS) in Baden-Wuerttemberg, namentlich Vorstandsmitglied Matthias Kehle, um eine "Online-Demonstration" gegen einen geplanten Verkauf wertvoller mittelalterlicher Handschriften durch die Landesregierung Baden-Wuerttemberg.

* Um was geht es?
Die Landesregierung hat vor, wertvollste mittelalterliche Handschriften aus der Badischen Landesbibliothek (BLB) in Karlsruhe, auf dem Kunstmarkt zu versteigern. Mit dem Ertrag von etwa 70 Millionen (!) Euro soll das marode Fuerstenhaus Baden und die Tourismus-Industrie unterstuetzt werden, in dem naemlich die Instandhaltung des fuerstlichen Schlosses Salem am Bodensee gewaehrleistet wird. Die BLB - eine der schoensten und bedeutendsten deutschen Bibliotheken - beherbergt u.a. die Handschrift C des Nibelungenliedes.
Naehere Infos unter:

https://www.blb-karlsruhe.de/

* Was kann ich tun?
Erstens: Schreiben Sie Guenther Oettinger eine Mail und protestieren Sie dagegen. Sie koennen dafuer das folgende Kontaktformular nutzen:

https://www.guenther-oettinger.de/index.php?id=297

Verwenden Sie Ihre eigenen Worte oder lehnen sich an die Formulierungen eines Kollegen an:
https://typo.twoday.net/stories/2714717/

Sie koennen auch gerne die Presseerklaerung des VS zitieren, die Sie (u.a.) hier finden:
https://shorterlink.de?1d87dc

Zweitens: Senden Sie diese Mail weiter an moeglichst viele Ihrer Freunde und Bekannte. An Bibliothekare, Lehrer, Historiker, Kunstfreunde, Literaten. Senden Sie die Mail per Blindkopie (BCC) weiter. Bedenken Sie: Heute pluendern die Politiker Handschriften in Karlsruhe, morgen sind es Kunstwerke der Stuttgarter Staatsgalerie, und uebermorgen werden Theater in Niedersachsen geschlossen. Dies ist keine Spam-Aktion, sondern ein bundesweiter Aufruf zu politischem Engagement von unten.

Drittens: Thematisieren Sie das Ganze (sofern vorhanden) in Ihrem Weblog.

* Was bringt das Ganze?
Als vor zwei Jahren die Zukunft Kuenstlersozialkasse (KSK) diskutiert wurde, bekam Ministerin Zypries binnen weniger Tage tausende Mails, die auf diese Weise generiert wurden. Daraufhin berichteten verschiedene Tageszeitungen und Spiegel-Online. Seitdem wird die Abschaffung der KSK nicht mehr diskutiert.

* Das Ende der Mail-Aktion ist der deutsche Nationalfeiertag, der 3. Oktober 2006 - ein Tag, an dem wir auch unsere kulturelle, literarische und sprachliche Tradition feiern sollten.

Danke und viele Gruesse
Matthias Kehle

Michele C. Ferrari hat in der Liste MEDIAEVISTIK den folgenden Brief an den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg veröffentlicht.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

Medienberichten zufolge beabsichtigt das Land Baden-Württemberg Handschriften aus der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe für den Verkauf freizugeben. Mit diesem Schreiben möchte der Mediävistenverband Sie dringend bitten, diese Entscheidung zurückzunehmen. Auf dem Spiel steht die Glaubwürdigkeit des Landes Baden-Württemberg und seiner Entscheidungsträger, und zwar in dreifacher Hinsicht.

Zum ersten ist es weder in Deutschland noch im Ausland nachzuvollziehen, warum unersetzliche Kulturgüter wie Handschriften (die ja Unikate sind) als Verhandlungsmasse in Rechtsstreitigkeiten benutzt werden, als ob es sich dabei um verstaubte Liebhaberstücke aus dem Trödelmarkt handelte. Das Signal wäre verheerend. Soll das Kulturerbe einer historisch gewachsenen Gemeinschaft wirklich wie gewöhnliche Ware zur Disposition stehen, um finanzielle Angelegenheiten zu regeln? Die Baden-Württemberger sind zu Recht stolz auf ihre Vergangenheit. Diese Traditionsverbundenheit lässt vermuten, daß ein solches Vorhaben im Land kaum konsensfähig ist.

Der Verlust wäre zum zweiten immens. Die Vorstellung, daß Kulturdenkmäler dieses Ranges in die Hände von Privatpersonen gelangen könnten, übersteigt das Vorstellungsvermögen eines neutralen Beobachters. Und ist man im klaren darüber, was dies für das Forschungsland Baden-Württemberg bedeutete? Kann es sich Ihr Bundesland in einer Zeit, in der der Wettbewerb um Spitzenpositionen in der nationalen und internationalen Forschungslandschaft entbrannt ist, wirklich leisten, derart sorglos mit dem eigenen Kulturerbe umzugehen, wenn man bedenkt, daß die Pflege und die Erschließung dieser Bestände jahrzehntelang von der öffentlichen Hand (etwa in Form von DFG-Projekten) finanziert wurde? Mangelnde Zuverlässigkeit ist keine Voraussetzung für Investitionen. Das gilt auch für die Kulturförderung.

Aber sogar der finanzielle Nutzen des geplanten Geschäfts ist drittens zweifelhaft. Die Summe von 70 Mio. Euro, die Sie aus dem Erlös erwarten, ist mit Sicherheit überschätzt. Werden die Bürger in Ihrem Land verstehen, warum Bestandteile ihrer eigenen Vergangenheit ausgestossen werden und der Staat trotzdem voraussichtlich mehrere Millionen ausgeben muß, um einer undurchdachten Verpflichtung nachzukommen?

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident! In den letzten Jahren hat Baden-Württemberg uns erklärt, daß es alles kann. Zeigen Sie jetzt, daß der Mut zum Umdenken dazu gehört.

Der SPIEGEL 39/2006, S. 169 greift das Thema heute nun auch in einer Kurzmeldung auf und zitiert Kritiker des geplanten Deals. Die Zerstreuung der Handschriften in alle Welt wäre eine Katastrophe, klagte Ute Obhof, vorauseilenden Gehorsam macht der Freiburger Mittelalter-Experte Felix Heinzer aus und Eef Overgaauw, Leiter der Handschriftenabteilung von Berlin, erinnert an die Millionen, die für die dann wertlose Katalogisierung ausgegeben wurden.

Stuttgarter Zeitung:
https://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/1254473

Das Geld solle aus den Erträgen der Landesstiftung oder aus den Aktien dies früheren Badenwerks bestritten werden, meinten Vertreter des badischen Landesteils.

https://www.bietigheimerzeitung.de/html/news/artikel_suedwestumschau.php4?artikel=96275

"SPD-Generalsekretär Joerg Tauss kritisierte den möglichen Verkauf wertvoller Handschriften aus der Badischen Landesbibliothek gestern als "Ausdruck der Kulturlosigkeit" von Oettinger und von Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU). Mit Blick auf Bildung und Forschung sei es unerträglich, wenn die unersetzlichen Handschriften nicht mehr der Wissenschaft zur Verfügung stünden, sondern in privaten Vitrinen verschwinden würden."

Falk Eisermann heute in den Listen MEDIAEVISTIK und Diskus:

" Bemerkenswert auch Oettingers "Angebot", eine Expertenkommission einzusetzen, die sicherstellen solle, daß "kulturell wertvolles Schriftgut, das in Baden entstanden ist, unverkäuflich bleibt": eine Formulierung, wie sie sich nur ein kulturpolitisches Bleichgesicht mit gespaltener Zunge ausdenken kann. Denn das heißt im Klartext: Die Reichenauer Handschriften und andere Zimelien nichtbadischer Entstehung werden so oder so verscherbelt; das kümmert die Volksseele offenbar nicht so sehr und begrenzt mithin den wahlpolitischen Kollateralschaden. Kann man provinzieller, berechnender denken? Welche Experten in einer solchen Kommission Selektions- und Erfüllungshilfe leisten und "das kulturell wertvolle Schriftgut" von anderem, offenbar "wertlosem" unterscheiden sollen, wird nicht gesagt. Wie und warum und an wen dieses "wertlose" Schriftgut verkauft werden soll, müßte man den MP gelegentlich auch mal fragen. Es ist ja evident, daß alle Beteiligten von den merkantilen Möglichkeiten ihres Projekts keinen blassen Schimmer haben. Wird in dieser Kommission - abgesehen von den sicher in großer Zahl vorhandenen, zweifellos hochkompetenten württembergischen Ministerialdirigenten und ggf. ein paar Vertretern von Auktionshäusern - auch jemand von der UNESCO, von der DFG dabei sein?

Ich darf abschließend aus einem Artikel von Norbert H. Ott (Süddeutsche von heute, S. 13) zitieren, welcher die Überschrift trägt "Ein dreister Versuch der Veruntreuung" und die Sache auf den Punkt bringt:

"Sollte das Land Baden-Württemberg sich tatsächlich zum Erfüllungsgehilfen feudaler Privatinteressen machen und nach Vandalenart eine ihrer bedeutendsten Handschriftensammlungen plündern, kann sich die dann zur Provinzklitsche verkommene Karlsruher Bibliothek eintragen lassen in die Liste jener verschwundenen Büchersammlungen - Alexandria, Sarajewo, Weimar -, die allerdings, anders als in Karlsruhe, durch Krieg oder Katastrophen vernichtet wurden. Die Karlsruher Handschriften übrigens waren das Einzige, was 1942 nach dem Luftangriff vom Bestand der Bibliothek übrig blieb."

Die landesregierenden Trümmerfrauen werden's schon richten."

Siehe auch:

Frankfurter Allgemeine Zeitung 25. September 2006

RUBRIK: POLITIK; Politik; S. 4

Kulturgüterkampf in Baden;
Von Rüdiger Soldt

Auszug:

"Ein Anwalt hätte dem Haus Baden geraten, sich die derzeit im Besitz des Landes befindlichen Kulturgüter als Eigentum herausgeben zu lassen", sagte Oettinger. Zahlreiche Kunstschätze wären für Baden-Württemberg angesichts der großen Finanznot des Prinzen ebenfalls verloren gewesen. "Wir werden eine Baden-Klausel vorbereiten, die sicherstellt, daß Schriftgut, das hier entstanden ist oder inhaltlich zu Baden gehört, hier bleibt", sagte Oettinger. Das bedeutet: Die Handschrift aus Persien soll verkauft werden, das sehr wertvolle Stundenbuch Christoph I. aus dem Jahr 1490 soll in jedem Fall in der Sammlung bleiben. Ob das reicht, um 70 Millionen Euro einzunehmen, wird allerdings von den Kritikern des Vergleichs bezweifelt. Er habe die Landesstiftung gebeten, zu prüfen, ob sie sich am Kauf beteiligen könne, sagte Oettinger. Auch die Gründung einer neuen Mäzenaten-Stiftung gilt als möglich.

Den Ausverkauf wichtiger Kulturgüter will die Landesregierung verhindern, ob ihr das gelingt, wird sich wohl erst beurteilen lassen, wenn eine Liste der Handschriften und Kunstwerke vorliegt, die verkauft werden sollen. Darüber wird nun eine Kommission entscheiden. In Karlsruhe formiert sich Widerstand: SPD, FDP, Grüne, CDU-Politiker wie der Oberbürgermeister Fenrich, die Landesvereinigung Baden und die Badische Bibliotheksgesellschaft wollen von den in Stuttgart auf den Weg gebrachten Vorhaben nichts wissen. Was auch immer die Landesregierung zu ihrer Rechtfertigung vorbringen mag.

***

Suedkurier
https://www.suedkurier.de/nachrichten/bawue/art1070,2223296.html?fCMS=29fe7f34d54a2ca3e97ee43345b6655e

Oettinger sagte, "dass Gutachter unter anderem die Kulturgüter auf ihre Bedeutung für das Land überprüfen sollen. Dem Gremium sollen neben zwei Gutachtern unter anderem Vertreter der Badischen Landesbibliothek und des Hauses Baden angehören. Für den Erhalt des wichtigen Kulturgutes Schloss Salem soll laut Oettinger die Stiftung gegründet werden. Für jeden Euro, den Wirtschaft und Bürger spenden, soll ein Euro des Landes hinzukommen. Je mehr Geld die Stiftung erhalte, desto weniger müsse verkauft werden, sagte Oettinger. Der Landesbeitrag habe eine Obergrenze bei einem einstelligen Millionenbetrag."

***

Volltexte/Faksimiles bei
https://www.blb-karlsruhe.de/

Was aber jetzt in Baden-Württemberg ausgehandelt wurde, ist in der Größenordnung so ungeheuerlich, dass damit alle Dämme des kulturellen Ausverkaufs zu brechen drohen. Welcher Teufel also hat die Landesregierung geritten? Es geht um die Lösung eines alten Eigentumsstreits mit den Markgrafen von Baden. Nach deren Abdankung als Großherzöge 1918 wurde - anders als in Preußen, Bayern oder Württemberg - ein unanfechtbarer Vergleich über Liegenschaften und Kunstbesitz mit dem ehemaligen Herrscherhaus versäumt. Nach langem Hin und Herr erhoben die Markgrafen jetzt Anspruch auf Kunstgüter im Wert von 250 bis 300 Millionen Euro. Die Landesregierung scheute einen Prozess und handelte einen Vergleich aus.

70 Millionen Euro sollen in eine Stiftung fließen, die den Markgrafen den Erhalt und die Pflege von Schloss Salem ermöglichen soll. Dafür bleiben zahlreiche berühmte Kunstwerke endgültig im Besitz der Landesmuseen. Das Land will allerdings für die Abfindung keine Steuergelder aufwenden, so kam man auf die unselige Idee, die Handschriften aus dem alten großherzoglichen Besitz auf den Markt zu werfen. Der Region wird damit ein Stück Geschichte aus dem Herz gerissen, Deutschland verliert eine seiner bedeutendsten Handschriftensammlungen.

In den Auktionshäusern New Yorks und Londons reibt man sich schon die Hände. Warum macht sich eigentlich Dresden nicht daran, die Sixtinische Madonna auf den Markt zu werfen? Der Tunnel unter der Elbe ließe sich so bezahlen und für die leere Staatskasse bliebe auch noch was übrig. Und wann endlich verkauft das bankrotte Berlin seine Nofretete? Ist doch alles Luxus.


Sebastian Preuss in: Berliner Zeitung vom 23.9.2006

Unter diesem passenden Titel referiert der "Südkurier" das Entsetzen auf der Insel Reichenau über die geplante Vernichtung des Dokumentenerbes.

Der volle Artikel: https://www.suedkurier.de/nachrichten/bawue/art1070,2221520.html

Besonders schockierend ist für mich folgendes: "Der Landtagsabgeordnete des Bodenseekreises und Tourismus-Vorsitzende Ulrich Müller (CDU) begrüßt dagegen die Lösung: Schloss Salem gehöre zu den "Top Ten" der touristischen Ziele der Bodenseeregion, sein Erhalt durch den Verkauf von Kunstgegenständen sei zu begrüßen."

Zur derzeitigen Schande, Baden-Württemberger zu sein, kommt nun bei mir noch die Scham, in der gleichen Stadt zu wohnen wie dieser barbarische Pfennigfuchser. Und auch noch zwangsweise jahrelang IHK-Beiträge für eine von so einem Individuum geleitete Kammer gezahlt zu haben. Immerhin weiß ich jetzt nach der UNESCO und der Landesregierung noch jemanden, dem ich einen gesalzenen Brief schreiben kann.

https://log.netbib.de/archives/2006/09/24/oettinger-verpasst-der-offentlichkeit-beim-festakt-200-jahre-baden-eine-beruhigungspille/

https://www.ka-news.de/karlsruhe/news.php4?show=wph2006922-23H

Am gestrigen Freitag bezogen auch die Parteien Stellung. Renate Rastätter (MdL) und Dr. Gisela Splett (MdL) verurteilten im Namen der Grünen die Verkaufspläne. Sie hielten es für "verhängnisvoll", dass hinter verschlossenen Türen seitens der Landesregierung bereits konkrete Zusagen an das Haus Baden gemacht worden seien. Der Vorsitzende der FDP/Aufbruch-Fraktion im Gemeinderat Michael Obert forderte seinerseits eine "Bündelung aller Kräfte zur Rettung der Handschriftensammlung". Auch der CDU-Kreisvorsitzende Ingo Wellenreuther (MdB) warnt gegenüber ka-news: "Die Landesbibliothek darf natürlich nicht geplündert werden." Vorher müssten genau die durchaus existierenden Eigentums- und Besitzansprüche des Hauses Baden gegenüber dem Land Baden-Württemberg im Detail geregelt werden, so der CDU-Politiker.

https://www.fr-aktuell.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/?em_cnt=975044

Für Armin Schlechter, Leiter der Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek Heidelberg, kommen die Veräußerungspläne der Verschleuderung von Kulturgut gleich: "Die Handschriften haben die Bombardierung im Zweiten Weltkrieg überlebt. Was jetzt passiert, ist von ähnlicher Tragweite." Auch hielte er es für völlig unsinnig, wenn eine so große Anzahl von Handschriften auf den Markt geworfen würde. "So viele Sammler gibt es gar nicht, die dafür angemessene Preise zahlen."

https://neonostalgia.com/weblog/?p=163

Eine interessante Stellungnahme. Der Blogger bedauert, dass ein einziges der Mss. online ist.

"But I have mixed feelings. The library hasn’t photographed any of these mss, as far as I know. Indeed there doesn’t seem to be a full list of them, even. They have just one (!) manuscript online. I suspect that readers have been prevented from photographing them. One scholar, when I queried why they weren’t online, suggested that it was good for scholars to have to travel to Karlsruhe to consult them! Frankly, it would be better if these mss were in hands that would record them and place them online. Perhaps the House of Baden would be agreeable to a proposal to do so!"

Faksimile:
https://commons.wikimedia.org/wiki/Badisches_Gesetz_%C3%BCber_das_Dom%C3%A4nenverm%C3%B6gen_1919

Das Gesetz sollte einen Ausgleich schaffen zwischen dem vormaligen Großherzoglichen Haus und dem badischen Staat. § 8 bestimmte: "Damit sind alle gegenseitigen Ansprüche ausgeglichen".

§ 1 wies dem Großherzog aus dem Domänenvermögen als Privateigentum zu: Immobilien in Baden-Baden, Freiburg und Badenweiler sowie die Grabkapelle im Fasanengarten zu Karlsruhe samt Einrichtung, soweit nicht schon Eigentum des Großherzogs. Von der Einrichtung der übrigen bisher zur Hofausstattung gehörigen Gebäude (gemäß Anlage zum Gesetze vom 3. März 1854 über die Zivilliste) standen ihm die im Wege der Verständigung mit der Regierung ausgeschiedenen Gegenstände zu. Alle anderen Gegenstände gehören dem badischen Staat, auch soweit bisher Privateigentum. Zusätzlich erhielt der Großherzog noch 8 Mio. Mark.

Zum Domänenvermögen vergleiche man § 59 der Badischen Verfassung von 1818 (Zuschuss zum Landeshaushalt)
https://wwwalt.uni-wuerzburg.de/rechtsphilosophie/hdoc/baden1818.html

§ 7 lautete:
"Bezüglich der im Privateigentum des Großherzogs stehenden Kunstwerke in der Kunsthalle in Karlsruhe und im Schloß Favorite ist die Erklärung der Generalintendanz der Zivilliste vom 18. März maßgebend."

Aus der Nichterwähnung der Landesbibliothek läßt sich folgern, dass deren Bestände als Staatseigentum galten. Der Gesetzgeber hatte eine umfassende Auseinandersetzung mit den Ansprüchen im Sinn, die Entschädigung des einstigen Herrscherhauses war durchaus großzügig.

Wenn das Inventar der Landesbibliothek zum Domänenvermögen zählte, wurde es 1919 verstaatlicht, es sei denn ihr Gebäude zählte zur Hofausstattung. Dann hätte es in der Verständigung aufgeführt sein müssen (§ 1 Abs. 1 Nr. 6).

Da ausdrücklich Kulturgut im Gesetz (nämlich in der Kunsthalle und im Schloss Favorite) aufgeführt wird, kann man nicht annehmen, dass das Inventar der Bibliothek freies Privateigentum wurde, da es seiner Zweckbestimmung nach öffentliche Sache blieb. Obwohl Eigentumszuordnung und Status als öffentliche Sache unabhängig voneinander sind, ist angesichts der Doppelnatur der Bibliothek als Großherzoglicher Hof- und Landesbibliothek der Schluss geboten, dass der Gesetzgeber von 1919 ihr Inventar nicht als Privateigentum auffasste.

Nach dem Bericht von Michael Hübl (BNN vom 21.9.2006) blieb dagegen ungeklärt, welche Kunstwerke, Münzen und Dokumente fortan als Staatseigentum zu gelten hätten. 1954 genehmigte das Land Baden-Württemberg die Zähringer-Stiftung als Stiftung des öffentliches Rechtes, die zum Zweck hatte, die "Erhaltung in bisheriger Weise und Zugänglichmachung der Öffentlichkeit" einer Reihe von Sammlungen sicherzustellen. Neben der großherzoglichen Münzsammlung, der "Türkenbeute" und anderen Kunstschätzen zählten dazu auch die "hofeigenen Bestände der Hof- und Landesbibliothek in Karlsruhe". Bisher habe gegolten, dass nur wenige Einzelstücke als "hofeigen" galten, während das Gros (und dabei auch das Säkularisationsgut) als Landeseigentum betrachtet wurde. Renommierte Rechtswissenschaftler, so Oettinger, hätten in Gutachten das Restrisiko als "erheblich eingestuft".

In der grundlegenden Darstellung der Sammlungsgeschichte der Türkenbeute
https://www.tuerkenbeute.de/res/pdf/forschung/katalogtexte/Sammlung.pdf
wird die Zugehörigkeit zur Zähringer-Stiftung mit keinem Wort erwähnt.

Rose-Maria Gropp, Kuhhandel mit Büchern, FAZ 22.9.2006, S. 33:

Um 70 Mio. auf dem Kunstmarkt zu erlösen, müsse die Schatzkammer ausgeräumt werden. Da Vincis's Codex Hammer kaufte Gates 1994 für 30,8 Mio. Dollar. Die über 1000 Fürstenberg-Handschriften kosteten das Land 48 Mio., für C waren nochmals knapp 20 Mio. fällig. Der Marktwert des Stundenbuchs des Mgf. Christoph I. liege wohl bei 3 Mio., bei dem Electorium von Lullus werde er zweistellig.

Als Käufer komme Getty in Betracht, aber auch der Antiquariatshandel. "Es ist bekannt, daß zum Beispiel der amerikanische Markt eine große Vorliebe für die Illuminationen hegt, nicht allerdings für den Rest der Bände: Aufgeteilt und ausgeweidet kehren sie dann nicht selten zu geringeren Preisen in einen mittleren Markt zurück".

Da die Bibliothek sich als Eigentümerin wähnte und der Markgraf an einem Ausfuhrverbot kein Interesse hatte, sei keine der Karlsruher Handschriften auf der Liste des nationalen Kulturguts verzeichnet, die Abwanderung ins Ausland werde daher kaum aufzuhalten sein.

"Das ist der Supergau. Das geht ins Mark der Bibliothek", wird von den gestrigen Karlsruher BNN Bibliotheksdirektor Ehrle zitiert. Es geht offenbar auch um Druckwerke, nicht nur um Handschriften (wenngleich der Verlust der ersteren natürlich eher zu verschmerzen wäre).

"Das Adelshaus Baden bringt seine Kunstsammlungen in eine gemeinnützige Stiftung ein, um Schloss Salem langfristig zu sichern. Darauf habe sich seine Familie mit dem Land Baden-Württemberg verständigt, sagte Bernhard Prinz von Baden. »Wir wollen langfristig das kulturelle Erbe erhalten«, betonte er. Das 42 000 Quadratmeter große Ensemble mit Schloss und gotischem Münster gehört zu den Touristenattraktionen am Bodensee und zieht alljährlich 130 000 Besucher an. Teile der Internatsschule Schloss Salem sind in den historischen Mauern untergebracht. Der Wert der Sammlungen von Waffen, Münzen, Gemälden, Kunstgegenständen und Büchern werde auf 250 bis 300 Millionen Euro geschätzt, erläuterte der Adelige. Um Stiftungskapital zu bilden, soll ein Teil der Bibliotheksbestände im Wert von 70 Millionen Euro auf dem freien Markt verkauft werden. Dabei handelt es sich um Handschriften und Druckwerke. [...] Die Landesbibliothek muss dem Adelshaus etwa 3 500 ihrer rund 4 200 Handschriften überlassen. Darunter seien die »Gesta Witigonis« - die Biografie des Abtes Witigo von der Insel Reichenau - und das Evangelistar aus St. Peter sowie die Handschriften von St. Blasien." (Reutlinger Generalanzeiger)

 

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