Kulturgut
1/10/06 - Patrimoine - Allemagne, Badische Landesbibliothek - Le gouvernement du Bade-Wurtenberg a décidé de vendre 3500 des 4200 manuscrits médiévaux (dont un grand nombre sont enluminés) de la Badische Landesbibliothek de Karlsruhe. Ces manuscrits, qui proviennent de la sécularisation des abbayes de la région en 1803, sont conservés dans le domaine public depuis l'abolition en 1918 du Grand Duché de Bade-Wurtenberg. Les fonds que le gouvernement espère récolter (70 millions d'euros) serviraient à régler un différend financier avec la Maison de Bade, à donner à cette dernière les moyens d'entretenir le château de Salem et, d'après le ministre des finances de la région, à éviter un procès à l'issue incertaine.
Le ministre fédéral de la culture, Bernd Neumann, envisage d'interdire d'exportation des manuscrits, ce qui n'est évidemment pas une solution satisfaisante. S'il faut absolument dédommager la Maison de Bade - ce qui est semble-t-il largemet discutable - l'argent doit être trouvé sans vendre les fonds patrimoniaux.
Une mobilisation importante des scientifiques allemands et internationaux se met en place, notamment grâce à Internet. Une pétitioncircule que vous pourrez trouver à cette adresse. On peut notamment y lire : « Dans un acte barbare sans précédent, l'état [du Bade-Wurtenberg] sera ains privé d'un des principaux éléments de son héritage culturel »
Ce type de projet scandaleux tend à se généraliser en Allemagne puisque, récemment, le Kaiser Wilhelm Museum de Krefeld annonçait qu'il souhaitait vendre le seul tableau impressionniste de sa collection, Parlement, soleil couchant de Monet, pour engager des travaux de restauration, soulevant, là aussi, une vague de protestation.
https://www.latribunedelart.com/Nouvelles_breves/Breves_2006/10_06/Landesbibliothek_605.htm
Le ministre fédéral de la culture, Bernd Neumann, envisage d'interdire d'exportation des manuscrits, ce qui n'est évidemment pas une solution satisfaisante. S'il faut absolument dédommager la Maison de Bade - ce qui est semble-t-il largemet discutable - l'argent doit être trouvé sans vendre les fonds patrimoniaux.
Une mobilisation importante des scientifiques allemands et internationaux se met en place, notamment grâce à Internet. Une pétition
Ce type de projet scandaleux tend à se généraliser en Allemagne puisque, récemment, le Kaiser Wilhelm Museum de Krefeld annonçait qu'il souhaitait vendre le seul tableau impressionniste de sa collection, Parlement, soleil couchant de Monet, pour engager des travaux de restauration, soulevant, là aussi, une vague de protestation.
https://www.latribunedelart.com/Nouvelles_breves/Breves_2006/10_06/Landesbibliothek_605.htm
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Verband deutscher Schriftsteller (VS) schlägt Alarm: Mittelalterliche Handschriften der Badischen Landesbibliothek dürfen nicht zugunsten der Instandhaltung von Schloss Salem versteigert werden!
Presseinformation: Berlin, 26. September 2006
Stuttgart/Karlsruhe: Der Vorsitzende des Verbands deutscher Schriftsteller (VS) in ver.di, Imre Török, und der VS Baden-Württemberg fordern Ministerpräsident Oettinger dringend auf, die geplante Veräußerung der wertvollen Handschriften der Badischen Landesbibliothek zu verhindern. Der VS-Landesvorsitzende, Josef Hoben, und der Vorstand sind entsetzt über diese Pläne.
Es darf nicht sein, dass die bedeutendsten Zeugnisse des Landes der Dichter und Denker versetzt werden, um ein marodes Adelshaus finanziell zu unterstützen. Eine Versteigerung der Handschriften würde eine Geringschätzung unserer kulturellen, literarischen und auch sprachlichen Wurzeln bedeuten. Es wäre ein fatles Signal in Zeiten mangelnder Deutschkenntnisse und verheerender PISA-Ergebnisse, wenn die Landesregierung Baden-Württemberg unser kulturelles Erbe verschleuderte und dafür sorgte, dass es in den Tresoren profitgieriger Trophäensammler in aller Welt landet.
V.i.S.d.P.:
Dirk v.Kügelgen
https://www.verband-deutscher-schriftsteller.de/aktuelles_meldungen.html#salem
Siehe auch:
https://www.tagesspiegel.de/kultur/nachrichten/kulturgueter/75852.asp
Der Verband deutscher Schriftsteller (VS) sprach am Montag in Berlin von einer "barbarischen Verschleuderung unseres nationalen und europäischen Kulturerbes". Der Bundesvorstand forderte die Besucher der Frankfurter Buchmesse auf, mit ihrer Unterschrift gegen den "Ausverkauf mittelalterlicher Handschriften" zu protestieren und damit "die frühen Zeugnisse der europäischen Dichter, Denker und Chronisten zu retten".
Presseinformation: Berlin, 26. September 2006
Stuttgart/Karlsruhe: Der Vorsitzende des Verbands deutscher Schriftsteller (VS) in ver.di, Imre Török, und der VS Baden-Württemberg fordern Ministerpräsident Oettinger dringend auf, die geplante Veräußerung der wertvollen Handschriften der Badischen Landesbibliothek zu verhindern. Der VS-Landesvorsitzende, Josef Hoben, und der Vorstand sind entsetzt über diese Pläne.
Es darf nicht sein, dass die bedeutendsten Zeugnisse des Landes der Dichter und Denker versetzt werden, um ein marodes Adelshaus finanziell zu unterstützen. Eine Versteigerung der Handschriften würde eine Geringschätzung unserer kulturellen, literarischen und auch sprachlichen Wurzeln bedeuten. Es wäre ein fatles Signal in Zeiten mangelnder Deutschkenntnisse und verheerender PISA-Ergebnisse, wenn die Landesregierung Baden-Württemberg unser kulturelles Erbe verschleuderte und dafür sorgte, dass es in den Tresoren profitgieriger Trophäensammler in aller Welt landet.
V.i.S.d.P.:
Dirk v.Kügelgen
https://www.verband-deutscher-schriftsteller.de/aktuelles_meldungen.html#salem
Siehe auch:
https://www.tagesspiegel.de/kultur/nachrichten/kulturgueter/75852.asp
Der Verband deutscher Schriftsteller (VS) sprach am Montag in Berlin von einer "barbarischen Verschleuderung unseres nationalen und europäischen Kulturerbes". Der Bundesvorstand forderte die Besucher der Frankfurter Buchmesse auf, mit ihrer Unterschrift gegen den "Ausverkauf mittelalterlicher Handschriften" zu protestieren und damit "die frühen Zeugnisse der europäischen Dichter, Denker und Chronisten zu retten".
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Wichtige Ausführungen bringt die Badische Zeitung von heute (2.10.):
[...] 3600 Handschriften,
2000 Musikskripte, 1300 frühe Drucke wird eine "Projektgruppe"
auf Verkäuflichkeit prüfen. Kenner geben zu bedenken, dass der
Markt die Masse, die zu verauktionieren wäre, nicht verkraften —
dass der Aderlass zu einem Einbruch der Preise führen werde.
Was und wie viel da letztendlich aus dem Bestand herausfallen
soll, darüber sieht man sich in der Landesbibliothek noch völlig im
Ungewissen.
Von der kulturgeschichtlichen Substanz, die hier in Frage steht, ist
von Landesseite nur in Beschwichtigungsformeln die Rede. Es
werde beteuert, sagt Ute Obhof, die Leiterin der
Handschriftenabteilung, dass nichts weggehen werde, was von
Bedeutung für die Badische Geschichte sei. Dem hält sie klipp und
klar entgegen: "Wir haben keine Bücher, die mit Baden nichts zu
tun haben." Die "Badenklausel" sieht sie als durchsichtiges
Manöver — eine Stuttgarter Beruhigungspille. Bücher, erklärt sie
ihren Standpunkt, haben ihre "Schicksale" , die sich ihnen
aussagekräftig eingravieren. Bücher kann man als Dokumente ihrer
eigenen Geschichte verstehen. Sie müssen gar nicht
Landesgeschichte zum Inhalt haben, nicht unbedingt hier zu Lande
entstanden sein — allein dadurch, dass und wie sie hergekommen
sind, sind sie von regionalhistorischem Zeugniswert. In Büchern
zum Beispiel bilden sich Lebens- und Bildungswege von
Persönlichkeiten ab, die im Land eine Rolle spielten. Ein intimes
Stück Baden-Geschichte stellt in der Karlsruher
Handschriftensammlung auch jenes Stundenbuch dar, das ein
Augsburger Maler im Jahr 1520 für den Markgrafen Kasimir von
Brandenburg-Ansbach-Kulmbach und seine Frau Susanna
ausmalte. Eine Tochter des Paares, Kunigunde, heirate den
badischen Markgrafen Karl II. und brachte die prächtig bebilderte
Gebetsammlung mit in die Ehe. Ihr Bruder Albrecht, der als
"fürstlicher Mordbrenner" unrühmlich in die Geschichte einging,
verlebte in Pforzheim Jahre des Exils, wo sich die badische
Verwandtschaft bemüht haben soll, ihn christlich zu läutern.
Die Geschichte der badischen Hofbibliothek begann in der zweiten
Hälfte des 15. Jahrhunderts. Der älteste bekannte Band in
Markgrafenbesitz ist das Stundenbuch Christoph I., das wohl um
1490 in Paris entstand. Eine ungeheure Zahl von Codices, auch
aus weit früherer Zeit, kam Anfang des 19. Jahrhunderts mit der
Säkularisation in die Bibliothek. Mehr als 1000 Jahre
Klostergeschichte sind seitdem darin vereinigt, ein ganzer
Handschriftenschatz von der Insel Reichenau dabei: liturgische
Schriften, Texte der Kirchenväter, frühmittalterlicher
Kirchenschriftsteller und die "Gesta Witigowonis" auch, die
Biografie eines Reichenauer Abts vom Ende des 10. Jahrhunderts.
Aus St. Peter kamen Schätze in die Hofbibliothek, aus St. Blasien,
St. Georgen, dem Hochstift Speyer. Und was aus Klöstern war,
war nicht ausschließlich fromme Lektüre. Die Konvente sind Orte
des Wissens und der Wissenschaft gewesen. Was dort studiert
und gedacht wurde, ist in den Schriften gegenwärtig.
1872 wurde die Bibliothek, der dies alles eingelagert war, aus der
Hofverwaltung ausgegliedert, damit verstaatlicht; 1918 wurde sie
Landesbibliothek. Was die Schriftensammlung, zumal in ihren
ältesten Teilen, ausmacht, kann man ein Porträt einer
Kulturlandschaft nennen. Die Sammlung selbst wie ein großes
Buch ansehen, in dem die Kulturgeschichte an Oberrhein und
Bodensee umfänglich aufgezeichnet und für Nachwelt und
Nachforschung greifbar ist. Dies soll nun in Einzelteile zerfallen.
Das Land mit seinem vom Feuilleton sich missverstanden
fühlenden Landeschef will wie ein Händler verfahren, der in einem
reich illustrierten Buch nichts als einen profitablen Haufen Bilder
sieht, es zerschneidet und die Ware auf den Markt wirft. Es werden
ja "Pakete von Schriften" bleiben, sagt Peter Frankenberg. Da
redet der Wissenschaftsminister aber von nichts anderm als
Trümmern.
[...] 3600 Handschriften,
2000 Musikskripte, 1300 frühe Drucke wird eine "Projektgruppe"
auf Verkäuflichkeit prüfen. Kenner geben zu bedenken, dass der
Markt die Masse, die zu verauktionieren wäre, nicht verkraften —
dass der Aderlass zu einem Einbruch der Preise führen werde.
Was und wie viel da letztendlich aus dem Bestand herausfallen
soll, darüber sieht man sich in der Landesbibliothek noch völlig im
Ungewissen.
Von der kulturgeschichtlichen Substanz, die hier in Frage steht, ist
von Landesseite nur in Beschwichtigungsformeln die Rede. Es
werde beteuert, sagt Ute Obhof, die Leiterin der
Handschriftenabteilung, dass nichts weggehen werde, was von
Bedeutung für die Badische Geschichte sei. Dem hält sie klipp und
klar entgegen: "Wir haben keine Bücher, die mit Baden nichts zu
tun haben." Die "Badenklausel" sieht sie als durchsichtiges
Manöver — eine Stuttgarter Beruhigungspille. Bücher, erklärt sie
ihren Standpunkt, haben ihre "Schicksale" , die sich ihnen
aussagekräftig eingravieren. Bücher kann man als Dokumente ihrer
eigenen Geschichte verstehen. Sie müssen gar nicht
Landesgeschichte zum Inhalt haben, nicht unbedingt hier zu Lande
entstanden sein — allein dadurch, dass und wie sie hergekommen
sind, sind sie von regionalhistorischem Zeugniswert. In Büchern
zum Beispiel bilden sich Lebens- und Bildungswege von
Persönlichkeiten ab, die im Land eine Rolle spielten. Ein intimes
Stück Baden-Geschichte stellt in der Karlsruher
Handschriftensammlung auch jenes Stundenbuch dar, das ein
Augsburger Maler im Jahr 1520 für den Markgrafen Kasimir von
Brandenburg-Ansbach-Kulmbach und seine Frau Susanna
ausmalte. Eine Tochter des Paares, Kunigunde, heirate den
badischen Markgrafen Karl II. und brachte die prächtig bebilderte
Gebetsammlung mit in die Ehe. Ihr Bruder Albrecht, der als
"fürstlicher Mordbrenner" unrühmlich in die Geschichte einging,
verlebte in Pforzheim Jahre des Exils, wo sich die badische
Verwandtschaft bemüht haben soll, ihn christlich zu läutern.
Die Geschichte der badischen Hofbibliothek begann in der zweiten
Hälfte des 15. Jahrhunderts. Der älteste bekannte Band in
Markgrafenbesitz ist das Stundenbuch Christoph I., das wohl um
1490 in Paris entstand. Eine ungeheure Zahl von Codices, auch
aus weit früherer Zeit, kam Anfang des 19. Jahrhunderts mit der
Säkularisation in die Bibliothek. Mehr als 1000 Jahre
Klostergeschichte sind seitdem darin vereinigt, ein ganzer
Handschriftenschatz von der Insel Reichenau dabei: liturgische
Schriften, Texte der Kirchenväter, frühmittalterlicher
Kirchenschriftsteller und die "Gesta Witigowonis" auch, die
Biografie eines Reichenauer Abts vom Ende des 10. Jahrhunderts.
Aus St. Peter kamen Schätze in die Hofbibliothek, aus St. Blasien,
St. Georgen, dem Hochstift Speyer. Und was aus Klöstern war,
war nicht ausschließlich fromme Lektüre. Die Konvente sind Orte
des Wissens und der Wissenschaft gewesen. Was dort studiert
und gedacht wurde, ist in den Schriften gegenwärtig.
1872 wurde die Bibliothek, der dies alles eingelagert war, aus der
Hofverwaltung ausgegliedert, damit verstaatlicht; 1918 wurde sie
Landesbibliothek. Was die Schriftensammlung, zumal in ihren
ältesten Teilen, ausmacht, kann man ein Porträt einer
Kulturlandschaft nennen. Die Sammlung selbst wie ein großes
Buch ansehen, in dem die Kulturgeschichte an Oberrhein und
Bodensee umfänglich aufgezeichnet und für Nachwelt und
Nachforschung greifbar ist. Dies soll nun in Einzelteile zerfallen.
Das Land mit seinem vom Feuilleton sich missverstanden
fühlenden Landeschef will wie ein Händler verfahren, der in einem
reich illustrierten Buch nichts als einen profitablen Haufen Bilder
sieht, es zerschneidet und die Ware auf den Markt wirft. Es werden
ja "Pakete von Schriften" bleiben, sagt Peter Frankenberg. Da
redet der Wissenschaftsminister aber von nichts anderm als
Trümmern.
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Gemeinderat: Resolution gegen Kultur-Ausverkauf
(trö) Vor Eintritt in die Tagesordnung verabschiedete der Gemeinderat auf seiner jüngsten Plenarsitzung einstimmig eine interfraktionelle Resolution, in der er sich entschieden gegen den drohenden Verkauf der Handschriften der Badischen Landesbibliothek wendet. In der von OB Heinz Fenrich vorgelegten Entschließung fordern die Stadträtinnen und Stadträte da Land und das Haus Baden auf, andere Wege zum Ausgleich der Interessen zu suchen. Die Resolution im Wortlaut:
"Die Handschriften der Badischen Landesbibliothek sind Kulturgüter von nationaler Bedeutung und europäischem Rang. Sie bilden ein Identität stiftendes kulturelles Fundament des Landes Baden-Württemberg. Viele Bürgerinnen und Bürger sind über den beabsichtigten Verkauf dieses einmaligen Kulturerbes entsetzt.
Wir nehmen die unklare Rechtslage hinsichtlich der Eigentumsverhältnisse an den Kulturgütern zur Kenntnis und haben Verständnis für die Absicht, die Zukunft Salems durch Errichtung einer Stiftung zu sichern. Es widerspricht jedoch dem Kulturverständnis, dafür die öffentliche Verfügbarkeit dieses Kulturgutes für die Nachwelt, für Forschung und Kulturvermittlung aufzugeben. Der Ausgleich der Interessen des Landes und des Hauses Baden muss auf einem anderen Weg gefunden werden.
Die Erhaltung der wertvollen Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek und damit die Sicherung eines bedeutenden Kulturgutes ist Aufgabe des gesamten Landes. Sie kann auch nicht von der Badischen Landesbibliothek allein getragen werden, sondern es muss auf allen Ebenen des Landes und des Bundes unter Einbeziehung von Mäzenen, Sponsoren und Stiftungen nach Lösungen gesucht werden. Insbesondere muss untersucht werden, inwieweit Lotto-Toto-Mittel sowie die Landesstiftung, deren Stiftungskapital durch die Veräußerung badischen Vermögens zustande kam, hier eingesetzt werden können.
Der Gemeinderat der Stadt Karlsruhe fordert deshalb, alle Anstrengungen zu unternehmen, dass eine solche konzertierte Aktion zum Erfolg führt und aus den dadurch mobilisierten Mitteln ein Ausverkauf dieses herausragenden kulturellen Erbes verhindert werden kann."
https://www1.karlsruhe.de/Aktuell/Stadtzeitung06/sz3904.htm
(trö) Vor Eintritt in die Tagesordnung verabschiedete der Gemeinderat auf seiner jüngsten Plenarsitzung einstimmig eine interfraktionelle Resolution, in der er sich entschieden gegen den drohenden Verkauf der Handschriften der Badischen Landesbibliothek wendet. In der von OB Heinz Fenrich vorgelegten Entschließung fordern die Stadträtinnen und Stadträte da Land und das Haus Baden auf, andere Wege zum Ausgleich der Interessen zu suchen. Die Resolution im Wortlaut:
"Die Handschriften der Badischen Landesbibliothek sind Kulturgüter von nationaler Bedeutung und europäischem Rang. Sie bilden ein Identität stiftendes kulturelles Fundament des Landes Baden-Württemberg. Viele Bürgerinnen und Bürger sind über den beabsichtigten Verkauf dieses einmaligen Kulturerbes entsetzt.
Wir nehmen die unklare Rechtslage hinsichtlich der Eigentumsverhältnisse an den Kulturgütern zur Kenntnis und haben Verständnis für die Absicht, die Zukunft Salems durch Errichtung einer Stiftung zu sichern. Es widerspricht jedoch dem Kulturverständnis, dafür die öffentliche Verfügbarkeit dieses Kulturgutes für die Nachwelt, für Forschung und Kulturvermittlung aufzugeben. Der Ausgleich der Interessen des Landes und des Hauses Baden muss auf einem anderen Weg gefunden werden.
Die Erhaltung der wertvollen Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek und damit die Sicherung eines bedeutenden Kulturgutes ist Aufgabe des gesamten Landes. Sie kann auch nicht von der Badischen Landesbibliothek allein getragen werden, sondern es muss auf allen Ebenen des Landes und des Bundes unter Einbeziehung von Mäzenen, Sponsoren und Stiftungen nach Lösungen gesucht werden. Insbesondere muss untersucht werden, inwieweit Lotto-Toto-Mittel sowie die Landesstiftung, deren Stiftungskapital durch die Veräußerung badischen Vermögens zustande kam, hier eingesetzt werden können.
Der Gemeinderat der Stadt Karlsruhe fordert deshalb, alle Anstrengungen zu unternehmen, dass eine solche konzertierte Aktion zum Erfolg führt und aus den dadurch mobilisierten Mitteln ein Ausverkauf dieses herausragenden kulturellen Erbes verhindert werden kann."
https://www1.karlsruhe.de/Aktuell/Stadtzeitung06/sz3904.htm
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https://www.lv-baden.de/a/web/index.php
Das Formular kann man als PDF ausdrucken, die Unterschriften sammeln und dann der LV zukommen lassen.
Alternative:
Unterschriftensammlung des VS
https://medien-kunst-industrie.verdi.de/bereich_kunst_und_kultur/kunst_und_kultur/pressemeldungen/unterschriftenaktion_vs
Das Formular kann man als PDF ausdrucken, die Unterschriften sammeln und dann der LV zukommen lassen.
Alternative:
Unterschriftensammlung des VS
https://medien-kunst-industrie.verdi.de/bereich_kunst_und_kultur/kunst_und_kultur/pressemeldungen/unterschriftenaktion_vs
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Angegeben wird nur die Fundstelle in ARCHIVALIA. Bei Bedarf kann die Website der jeweiligen Vereinigung leicht ermittelt werden. Individuelle Proteste werden nicht berücksichtigt. Soweit nichts anderes vermerkt, wird der Volltext in den Einträgen dokumentiert. Bitte ergänzen, falls lückenhaft (Kontakt am besten via: klausgraf googlemail.com). Zählt man den VS doppelt (Bundes- und Landesebene), sind es bislang
42
an der Zahl (aktualisiert 28.03.2007).
Ulmer Verein
https://archiv.twoday.net/stories/3490354/
Reinhold-Schneider-Gesellschaft
https://archiv.twoday.net/stories/2991095/
Schwäbischer Heimatbund
https://archiv.twoday.net/stories/2989697/
Gesellschaft Oberschwaben
https://archiv.twoday.net/stories/2847473/
BID
https://archiv.twoday.net/stories/2840204/
Comité International de Paléographie latin
https://archiv.twoday.net/stories/3215736/
https://archiv.twoday.net/stories/2815149/
Direktoren der baden-württembergischen Landes- und
Universitätsbibliotheken
https://archiv.twoday.net/stories/2814442/
S.I.S.M.E.L.
https://archiv.twoday.net/stories/2814427/
Deutscher Museumsbund
https://archiv.twoday.net/stories/2796637/
https://archiv.twoday.net/stories/2799583/
IFLA Rare Books and Manuscripts Committee
https://archiv.twoday.net/stories/2799653/
Consortium of European Research Libraries
https://archiv.twoday.net/stories/2799641/
Über 100 führende Wissenschaftler (Wechsel der Leitung der SUB Göttingen)
https://archiv.twoday.net/stories/2789764/
Leiter der deutschen Handschriftenzentren
https://archiv.twoday.net/stories/2789748/
Hochschule der Medien
https://archiv.twoday.net/stories/2770397/
AG Sammlung deutscher Drucke
https://archiv.twoday.net/stories/2770264/
Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (nur Bericht)
https://archiv.twoday.net/stories/2770196/
Union der deutschen Akademien
https://archiv.twoday.net/stories/2765726/
PEN-Zentrum Deutschland
https://archiv.twoday.net/stories/2765661/
IFLA
https://archiv.twoday.net/stories/2765565/
Mediävisten in Fribourg versammelt
https://archiv.twoday.net/stories/2772829/
Benediktineräbte
https://archiv.twoday.net/stories/2765463/
Staatsbibliothek Hamburg
https://archiv.twoday.net/stories/2759824/
Verband deutscher Schriftsteller (Bundesebene)
https://archiv.twoday.net/stories/2751887/
- Unterschriftenaktion des VS zur Buchmesse, über 600 Unterzeichner
https://archiv.twoday.net/stories/2750161/
https://archiv.twoday.net/stories/2785042/
Wolfram von Eschenbach-Gesellschaft
https://archiv.twoday.net/stories/3104611/
Verband der Archivarinnen und Archivare
https://archiv.twoday.net/stories/2750310/
Sektion IV (Wissenschaftliche Universalbibliotheken) des Deutschen
Bibliotheksverbandes (DBV)
https://archiv.twoday.net/stories/2750188/
Offener Brief (Online-Petition), initiiert von Joachim Heinzle/Klaus Klein (Marburg), über 2500 Unterzeichner
https://archiv.twoday.net/stories/2749327/ (nur Hinweis)
https://archiv.twoday.net/stories/2731521/ (auf Englisch)
https://archiv.twoday.net/stories/2731475/ (Text)
ARBEITSGRUPPE HANDSCHRIFTEN DES BBS
(BBS, Verband der Bibliotheken und der
Bibliothekarinnen/Bibliothekare der Schweiz
https://archiv.twoday.net/stories/2749070/
19 prominente Kunsthistoriker (USA/UK)
https://archiv.twoday.net/stories/2731645/
Englisch:
https://archiv.twoday.net/stories/2743873/
Zentralkomitee der Katholiken
https://archiv.twoday.net/stories/2740182/
Verband deutscher Kunsthistoriker e.V.
https://archiv.twoday.net/stories/2739925/
Expert Group of European Manuscript Librarians, LIBER
https://archiv.twoday.net/stories/2739268/
Deutscher Kulturrat
https://archiv.twoday.net/stories/2755045/
Gemeinsame Erklärung der Württembergischen Landesbibliothek und der Württembergischen Bibliotheksgesellschaft (nur Bericht)
https://archiv.twoday.net/stories/2736774/
Gemeinderat Karlsruhe
https://archiv.twoday.net/stories/2751626/
Deutsche Forschungsgemeinschaft
https://archiv.twoday.net/stories/2727891/
Deutscher Bibliotheksverband e.V.
https://archiv.twoday.net/stories/2725343/
Deutsche UNESCO-Kommission (nur Bericht)
https://archiv.twoday.net/stories/2725343/
Verband deutscher Schriftsteller (VS) Baden-Württemberg
https://archiv.twoday.net/stories/2720129/
Mediävistenverband
https://archiv.twoday.net/stories/2716821/
Landesvereinigung Baden in Europa, über 20000 Unterschriften
https://archiv.twoday.net/stories/2707451/
https://archiv.twoday.net/stories/3055012/
Badische Bibliotheksgesellschaft
https://archiv.twoday.net/stories/2702703/
42
an der Zahl (aktualisiert 28.03.2007).
Ulmer Verein
https://archiv.twoday.net/stories/3490354/
Reinhold-Schneider-Gesellschaft
https://archiv.twoday.net/stories/2991095/
Schwäbischer Heimatbund
https://archiv.twoday.net/stories/2989697/
Gesellschaft Oberschwaben
https://archiv.twoday.net/stories/2847473/
BID
https://archiv.twoday.net/stories/2840204/
Comité International de Paléographie latin
https://archiv.twoday.net/stories/3215736/
https://archiv.twoday.net/stories/2815149/
Direktoren der baden-württembergischen Landes- und
Universitätsbibliotheken
https://archiv.twoday.net/stories/2814442/
S.I.S.M.E.L.
https://archiv.twoday.net/stories/2814427/
Deutscher Museumsbund
https://archiv.twoday.net/stories/2796637/
https://archiv.twoday.net/stories/2799583/
IFLA Rare Books and Manuscripts Committee
https://archiv.twoday.net/stories/2799653/
Consortium of European Research Libraries
https://archiv.twoday.net/stories/2799641/
Über 100 führende Wissenschaftler (Wechsel der Leitung der SUB Göttingen)
https://archiv.twoday.net/stories/2789764/
Leiter der deutschen Handschriftenzentren
https://archiv.twoday.net/stories/2789748/
Hochschule der Medien
https://archiv.twoday.net/stories/2770397/
AG Sammlung deutscher Drucke
https://archiv.twoday.net/stories/2770264/
Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (nur Bericht)
https://archiv.twoday.net/stories/2770196/
Union der deutschen Akademien
https://archiv.twoday.net/stories/2765726/
PEN-Zentrum Deutschland
https://archiv.twoday.net/stories/2765661/
IFLA
https://archiv.twoday.net/stories/2765565/
Mediävisten in Fribourg versammelt
https://archiv.twoday.net/stories/2772829/
Benediktineräbte
https://archiv.twoday.net/stories/2765463/
Staatsbibliothek Hamburg
https://archiv.twoday.net/stories/2759824/
Verband deutscher Schriftsteller (Bundesebene)
https://archiv.twoday.net/stories/2751887/
- Unterschriftenaktion des VS zur Buchmesse, über 600 Unterzeichner
https://archiv.twoday.net/stories/2750161/
https://archiv.twoday.net/stories/2785042/
Wolfram von Eschenbach-Gesellschaft
https://archiv.twoday.net/stories/3104611/
Verband der Archivarinnen und Archivare
https://archiv.twoday.net/stories/2750310/
Sektion IV (Wissenschaftliche Universalbibliotheken) des Deutschen
Bibliotheksverbandes (DBV)
https://archiv.twoday.net/stories/2750188/
Offener Brief (Online-Petition), initiiert von Joachim Heinzle/Klaus Klein (Marburg), über 2500 Unterzeichner
https://archiv.twoday.net/stories/2749327/ (nur Hinweis)
https://archiv.twoday.net/stories/2731521/ (auf Englisch)
https://archiv.twoday.net/stories/2731475/ (Text)
ARBEITSGRUPPE HANDSCHRIFTEN DES BBS
(BBS, Verband der Bibliotheken und der
Bibliothekarinnen/Bibliothekare der Schweiz
https://archiv.twoday.net/stories/2749070/
19 prominente Kunsthistoriker (USA/UK)
https://archiv.twoday.net/stories/2731645/
Englisch:
https://archiv.twoday.net/stories/2743873/
Zentralkomitee der Katholiken
https://archiv.twoday.net/stories/2740182/
Verband deutscher Kunsthistoriker e.V.
https://archiv.twoday.net/stories/2739925/
Expert Group of European Manuscript Librarians, LIBER
https://archiv.twoday.net/stories/2739268/
Deutscher Kulturrat
https://archiv.twoday.net/stories/2755045/
Gemeinsame Erklärung der Württembergischen Landesbibliothek und der Württembergischen Bibliotheksgesellschaft (nur Bericht)
https://archiv.twoday.net/stories/2736774/
Gemeinderat Karlsruhe
https://archiv.twoday.net/stories/2751626/
Deutsche Forschungsgemeinschaft
https://archiv.twoday.net/stories/2727891/
Deutscher Bibliotheksverband e.V.
https://archiv.twoday.net/stories/2725343/
Deutsche UNESCO-Kommission (nur Bericht)
https://archiv.twoday.net/stories/2725343/
Verband deutscher Schriftsteller (VS) Baden-Württemberg
https://archiv.twoday.net/stories/2720129/
Mediävistenverband
https://archiv.twoday.net/stories/2716821/
Landesvereinigung Baden in Europa, über 20000 Unterschriften
https://archiv.twoday.net/stories/2707451/
https://archiv.twoday.net/stories/3055012/
Badische Bibliotheksgesellschaft
https://archiv.twoday.net/stories/2702703/
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Art. 3c Abs. 2 der Landesverfassung BW lautet:
Die Landschaft sowie die Denkmale der Kunst, der Geschichte
und der Natur
genießen öffentlichen Schutz und die Pflege des Staates und
der Gemeinden.
https://www.innenministerium.baden-wuerttemberg.de/sixcms/media.php/1227/Landesverfassung.pdf
Früher war das Art. 86.
Zum Vergleich Bayern:
Artikel 141 Denkmalschutz; Naturschutz; Freier Zugang zu
Naturschönheiten
(2) Staat, Gemeinden und Körperschaften des öffentlichen
Rechts haben die Aufgabe, die Denkmäler der Kunst, der
Geschichte und der Natur sowie die Landschaft zu schützen
und zu pflegen, herabgewürdigte Denkmäler der Kunst und
der Geschichte möglichst ihrer früheren Bestimmung wieder
zuzuführen, die Abwanderung deutschen Kunstbesitzes ins
Ausland zu verhüten.
Die Landschaft sowie die Denkmale der Kunst, der Geschichte
und der Natur
genießen öffentlichen Schutz und die Pflege des Staates und
der Gemeinden.
https://www.innenministerium.baden-wuerttemberg.de/sixcms/media.php/1227/Landesverfassung.pdf
Früher war das Art. 86.
Zum Vergleich Bayern:
Artikel 141 Denkmalschutz; Naturschutz; Freier Zugang zu
Naturschönheiten
(2) Staat, Gemeinden und Körperschaften des öffentlichen
Rechts haben die Aufgabe, die Denkmäler der Kunst, der
Geschichte und der Natur sowie die Landschaft zu schützen
und zu pflegen, herabgewürdigte Denkmäler der Kunst und
der Geschichte möglichst ihrer früheren Bestimmung wieder
zuzuführen, die Abwanderung deutschen Kunstbesitzes ins
Ausland zu verhüten.
Die Herrscherhäuser wussten sehr genau zu unterscheiden zwischen ihrem Privateigentum und dem Staats- bzw. Landeseigentum, das sie qua Amt verwalteten: Sie ließen das Publikum natürlich nicht in ihre privaten Gemächer, öffneten aber Bibliotheken und Museen für ihre Untertanen und nannten diese Institutionen deshalb in Baden auch "Großherzogliche Hof- und Landesbibliothek" schreibt Rudolf Walther in der Frankfurter Rundschau vom 2. Oktober 2006. An diese lieferten Universitäten und Verlage Pflichtexemplare ab. Die wanderten nicht in die Privatbibliothek des Markgrafen. Dessen wirkliche Privatbibliothek hat die Landesbibliothek übrigens vor zehn Jahren dem Markgrafen abgekauft, um sie vor dem Verkauf ins Ausland zu retten.
Dreister Zugriff
Besonders dreist erscheint der markgräfliche Zugriff auf das landeseigene Kulturerbe im Falle der mittelalterlichen Handschriften. Sie kamen als thematisch zusammengehörende Konvolute 1803 als Raubgut in die Landesbibliothek. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wurden die deutschen Fürsten mit rechtsrheinischem Grundbesitz von Klöstern, Reichsabteien, Stiften und Bistümern dafür entschädigt, was sie links des Rheins an Napoleon abtreten mussten. Die Handschriften stammen aus säkularisierten bzw. enteigneten Klosterbibliotheken. Sie bilden ein in völkerrechtliche Form gekleidetes Beutegut des Landes Baden, aber nicht Privateigentum des Herrschers. Baden "erbte" damals auch Heidelberg mit der Bibliothek, die beide zur Kurpfalz gehörten. Diese regierte Maximilian Joseph, der 1799 bayerischer Kurfürst und 1806 erster bayerischer König wurde - aber selbstverständlich konnte er die Heidelberger Bibliothek nicht als Privateigentum nach München mitnehmen.
1918 dankte der Großherzog Friedrich II. ab. Nach zähem Ringen mit der republikanischen Regierung des Landes Baden kam 1924 ein Vertrag zustande, wonach nach dem Tod des Großherzogs alle großherzoglichen Bibliotheksbestände und Gemäldesammlungen in Landesbesitz übergehen sollten. Die dubiosen Rechtsansprüche, die das Haus Baden jetzt formuliert, haben ihre Basis in einem Formfehler, als 1954 nach dem Tod der Witwe des letzten Großherzogs die "Zähringer Stiftung" geschaffen wurde.
Mit der Stiftungsurkunde wurde kein Übergabeprotokoll, das die Bestände einzeln auflistet, erstellt. Dadurch entstand die Lage, dass zwar nach übereinstimmender Rechtsauffassung eine Stiftung besteht, aber eine Seite nach über 80 Jahren auf die winkeladvokatorische Idee kam zu behaupten, es sei ungeklärt, was materiell zum Stiftungsbesitz gehöre. Das Land Baden-Württemberg hätte demnach 1954 mit der "Zähringer Stiftung" gleichsam ein Blatt Papier, aber sonst nichts übernommen - außer die Kosten für die Pflege des kulturellen Erbes.
In der Stuttgarter zeitung kommentiert Julia Schröder:
Dass Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger und sein Finanzminister Gerhard Stratthaus zu glauben scheinen, sie könnten Teile aus einem historischen Handschriftenbestand in der Badischen Landesbibliothek herauslösen, ohne diesen in seiner Gesamtheit zu beschädigen, ist schlimm genug. Aber dass der Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Peter Frankenberg, auf dem Standpunkt steht, die "wissenschaftliche Nutzbarkeit" der Landesbibliothek würde "nicht beeinträchtigt" durch die Verkäufe von Stücken, die, wie er sagt, für die badische Landesgeschichte nicht bedeutsam seien, das ist nicht nur schlimm, sondern peinlich. Man fragt sich, wie weit die Ahnung des Ministers, seine Ressorts betreffend, reicht - vorausgesetzt, die philologischen Disziplinen gelten noch als Wissenschaft.
Dreister Zugriff
Besonders dreist erscheint der markgräfliche Zugriff auf das landeseigene Kulturerbe im Falle der mittelalterlichen Handschriften. Sie kamen als thematisch zusammengehörende Konvolute 1803 als Raubgut in die Landesbibliothek. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wurden die deutschen Fürsten mit rechtsrheinischem Grundbesitz von Klöstern, Reichsabteien, Stiften und Bistümern dafür entschädigt, was sie links des Rheins an Napoleon abtreten mussten. Die Handschriften stammen aus säkularisierten bzw. enteigneten Klosterbibliotheken. Sie bilden ein in völkerrechtliche Form gekleidetes Beutegut des Landes Baden, aber nicht Privateigentum des Herrschers. Baden "erbte" damals auch Heidelberg mit der Bibliothek, die beide zur Kurpfalz gehörten. Diese regierte Maximilian Joseph, der 1799 bayerischer Kurfürst und 1806 erster bayerischer König wurde - aber selbstverständlich konnte er die Heidelberger Bibliothek nicht als Privateigentum nach München mitnehmen.
1918 dankte der Großherzog Friedrich II. ab. Nach zähem Ringen mit der republikanischen Regierung des Landes Baden kam 1924 ein Vertrag zustande, wonach nach dem Tod des Großherzogs alle großherzoglichen Bibliotheksbestände und Gemäldesammlungen in Landesbesitz übergehen sollten. Die dubiosen Rechtsansprüche, die das Haus Baden jetzt formuliert, haben ihre Basis in einem Formfehler, als 1954 nach dem Tod der Witwe des letzten Großherzogs die "Zähringer Stiftung" geschaffen wurde.
Mit der Stiftungsurkunde wurde kein Übergabeprotokoll, das die Bestände einzeln auflistet, erstellt. Dadurch entstand die Lage, dass zwar nach übereinstimmender Rechtsauffassung eine Stiftung besteht, aber eine Seite nach über 80 Jahren auf die winkeladvokatorische Idee kam zu behaupten, es sei ungeklärt, was materiell zum Stiftungsbesitz gehöre. Das Land Baden-Württemberg hätte demnach 1954 mit der "Zähringer Stiftung" gleichsam ein Blatt Papier, aber sonst nichts übernommen - außer die Kosten für die Pflege des kulturellen Erbes.
In der Stuttgarter zeitung kommentiert Julia Schröder:
Dass Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger und sein Finanzminister Gerhard Stratthaus zu glauben scheinen, sie könnten Teile aus einem historischen Handschriftenbestand in der Badischen Landesbibliothek herauslösen, ohne diesen in seiner Gesamtheit zu beschädigen, ist schlimm genug. Aber dass der Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Peter Frankenberg, auf dem Standpunkt steht, die "wissenschaftliche Nutzbarkeit" der Landesbibliothek würde "nicht beeinträchtigt" durch die Verkäufe von Stücken, die, wie er sagt, für die badische Landesgeschichte nicht bedeutsam seien, das ist nicht nur schlimm, sondern peinlich. Man fragt sich, wie weit die Ahnung des Ministers, seine Ressorts betreffend, reicht - vorausgesetzt, die philologischen Disziplinen gelten noch als Wissenschaft.
*/"Zu unserer Kultur gehört auch das Gedächtnis"/*
(Bundespräsident Horst Köhler am 6. Juni 2006 in Marbach/Neckar)
Die Entscheidung des Landes Baden-Württemberg, die Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek
zu Gunsten des badischen Adelshauses zu versteigern, wird öffentlich hart kritisiert. Am kommenden Samstag, den 7. Oktober findet *um 14.30 Uhr auf der Frankfurter Buchmesse* im Rahmen des IBLC-Forum ("International Booksellers' and Librarians' Center"), des Zentrums für den internationalen Buchhandel, für Bibliothekare, Dokumentare und IT-Spezialisten,
eine Podiumsdiskussion statt mit dem Thema
* *
*Was wird aus den Handschriften der badischen Landesbibliothek Karlsruhe?*
* *
*Auf dem Podium*:
Dr. Eva /Effertz/ (Deutsche Forschungsgemeinschaft, Bonn)
Prof. Dr. Felix /Heinzer/ (Lateinische Philologie des Mittelalters, Universität Freiburg, 1988-2005 Leiter der Handschriftenabteilung der WLB Stuttgart)
Prof. Dr. Reinhard /Mussgnug/ (Öffentliches Recht, Universität Heidelberg)
Prof. Dr. Lieselotte E. /Saurma/ (Kunstgeschichte, Universität Heidelberg)
*Moderation*:
Priv.-Doz. Dr. Arno /Mentzel-Reuters/ (Monumenta Germaniae Historica, München und Universität Augsburg) und Dr. Bettina /Wagner/ (Bayerische Staatsbibliothek München)
(kleinere Änderungen vorbehalten)
Das International Library Centre der Frankfurter Buchmesse findet man in Halle 4.2, Raum Raum M461
(Bundespräsident Horst Köhler am 6. Juni 2006 in Marbach/Neckar)
Die Entscheidung des Landes Baden-Württemberg, die Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek
zu Gunsten des badischen Adelshauses zu versteigern, wird öffentlich hart kritisiert. Am kommenden Samstag, den 7. Oktober findet *um 14.30 Uhr auf der Frankfurter Buchmesse* im Rahmen des IBLC-Forum ("International Booksellers' and Librarians' Center"), des Zentrums für den internationalen Buchhandel, für Bibliothekare, Dokumentare und IT-Spezialisten,
eine Podiumsdiskussion statt mit dem Thema
* *
*Was wird aus den Handschriften der badischen Landesbibliothek Karlsruhe?*
* *
*Auf dem Podium*:
Dr. Eva /Effertz/ (Deutsche Forschungsgemeinschaft, Bonn)
Prof. Dr. Felix /Heinzer/ (Lateinische Philologie des Mittelalters, Universität Freiburg, 1988-2005 Leiter der Handschriftenabteilung der WLB Stuttgart)
Prof. Dr. Reinhard /Mussgnug/ (Öffentliches Recht, Universität Heidelberg)
Prof. Dr. Lieselotte E. /Saurma/ (Kunstgeschichte, Universität Heidelberg)
*Moderation*:
Priv.-Doz. Dr. Arno /Mentzel-Reuters/ (Monumenta Germaniae Historica, München und Universität Augsburg) und Dr. Bettina /Wagner/ (Bayerische Staatsbibliothek München)
(kleinere Änderungen vorbehalten)
Das International Library Centre der Frankfurter Buchmesse findet man in Halle 4.2, Raum Raum M461
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Offener Brief
An den
Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg
Herrn Günther H. Oettinger
Staatsministerium Baden-Württemberg
Richard-Wagner-Str. 15
70184 Stuttgart
* Geplanter Verkauf von Handschriften der Badischen Landesbibliothek
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare schließt sich den Protesten gegen den Plan der baden-württembergischen Landesregierung an, Handschriften der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe zu verkaufen.
Der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare mit derzeit 2.257 Mitgliedern vertritt in Deutschland die Interessen der historisch gewachsenen Überlieferung als Teil des kulturellen Erbes. Dass diese Überlieferung in ihrem Entstehungs- und Überlieferungszusammenhang gesichert und erhalten wird, um der Forschung und Öffentlichkeit als Kulturgut zugänglich zu sein und der Bildung zu dienen, zählt zu seinen vordersten Anliegen.
Der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare muss daher seine Stimme vehement dagegen erheben, wenn authentische Überlieferung substantiell bedroht ist. Dies wäre bei einem Verkauf der Handschriften der badischen Landesbibliothek, die in ihrer Gesamtheit einen zentralen Bestandteil des dem Land Baden-Württemberg anvertrauten Kulturguts darstellen, zweifellos der Fall.
Der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare bittet die Landesregierung Baden-Württemberg, von dem beabsichtigten Verkauf von Handschriften der badischen Landesbibliothek abzusehen und eine andere Lösung für die entstandene Problemlage zu suchen. Da die soweit vorliegenden Informationen zur Rechtslage eine Fülle von Fragen aufwerfen, bittet der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare auch, die Rechtslage noch einmal prüfen zu lassen.
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, die öffentliche Reaktion auf die Verkaufspläne zeigt, in welcher Dimension hier der Erhalt und die Zugänglichkeit einer historischen Überlieferung berührt sind, mit der sich weiteste Kreise der Wissenschaft und der Kultur in der ganzen Welt identifizieren. Aus der Sicht des Verbands deutscher Archivarinnen und Archivare ist die dabei zu Tage tretende Wertschätzung von Kulturgut des Landes Baden-Württembergs ein positives Zeichen für das Bundesland, dem sich die Landesregierung nicht verschließen darf.
Im Namen der Mitglieder des Verbands deutscher Archivarinnen und Archivare
Mit freundlichen Grüßen
gez Dr. Robert Kretzschmar
K. ist Vorsitzender des Vereins der Archivarinnen und Archivare (und zugleich Präsident des Landesarchivs Baden-Württemberg)
An den
Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg
Herrn Günther H. Oettinger
Staatsministerium Baden-Württemberg
Richard-Wagner-Str. 15
70184 Stuttgart
* Geplanter Verkauf von Handschriften der Badischen Landesbibliothek
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare schließt sich den Protesten gegen den Plan der baden-württembergischen Landesregierung an, Handschriften der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe zu verkaufen.
Der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare mit derzeit 2.257 Mitgliedern vertritt in Deutschland die Interessen der historisch gewachsenen Überlieferung als Teil des kulturellen Erbes. Dass diese Überlieferung in ihrem Entstehungs- und Überlieferungszusammenhang gesichert und erhalten wird, um der Forschung und Öffentlichkeit als Kulturgut zugänglich zu sein und der Bildung zu dienen, zählt zu seinen vordersten Anliegen.
Der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare muss daher seine Stimme vehement dagegen erheben, wenn authentische Überlieferung substantiell bedroht ist. Dies wäre bei einem Verkauf der Handschriften der badischen Landesbibliothek, die in ihrer Gesamtheit einen zentralen Bestandteil des dem Land Baden-Württemberg anvertrauten Kulturguts darstellen, zweifellos der Fall.
Der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare bittet die Landesregierung Baden-Württemberg, von dem beabsichtigten Verkauf von Handschriften der badischen Landesbibliothek abzusehen und eine andere Lösung für die entstandene Problemlage zu suchen. Da die soweit vorliegenden Informationen zur Rechtslage eine Fülle von Fragen aufwerfen, bittet der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare auch, die Rechtslage noch einmal prüfen zu lassen.
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, die öffentliche Reaktion auf die Verkaufspläne zeigt, in welcher Dimension hier der Erhalt und die Zugänglichkeit einer historischen Überlieferung berührt sind, mit der sich weiteste Kreise der Wissenschaft und der Kultur in der ganzen Welt identifizieren. Aus der Sicht des Verbands deutscher Archivarinnen und Archivare ist die dabei zu Tage tretende Wertschätzung von Kulturgut des Landes Baden-Württembergs ein positives Zeichen für das Bundesland, dem sich die Landesregierung nicht verschließen darf.
Im Namen der Mitglieder des Verbands deutscher Archivarinnen und Archivare
Mit freundlichen Grüßen
gez Dr. Robert Kretzschmar
K. ist Vorsitzender des Vereins der Archivarinnen und Archivare (und zugleich Präsident des Landesarchivs Baden-Württemberg)
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