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Kulturgut

Mir wurde von befreundeter Seite folgender Text zugänglich gemacht, den ich wiedergeben darf.

Das große Steinhaus derer von Baden steht schon lange und wird, so wie es aussieht, in den nächsten zehn, zwanzig Jahren keine Ruine werden, auch wenn sicherlich einiges zu machen ist (wie an allen Häusern, auch denen, die erst 30 Jahre alt sind, zu machen ist). Ein solcher Ort, wenn er lange genug da ist, kann alles beherbergen, ohne sich zu verändern: einen Wallenstein, einen Göring, eine Schule oder einen Event-Club.

Eine alte Schrift oder ein alter Druck beherbergt nur Fliegenbeine, deren Bedeutung den Menschen braucht. Nur der Mensch trägt sie weiter; der fragile Zustand ihres Ortes kann jeder Zeit zu Asche werden. Durch Wallensteins, Görings, Schulen oder Event-Clubs.

Die Häuser bewundern wir und haben Respekt vor der Technik, die sie erhalten hat; die fragilen Schriften berühren uns, weil sie nicht anderes beherbergen können als sich selbst.

https://www.swr.de/swr2/sendungen/journal/interviews.html
Gespräche mit Walter Berschin, Felix Heinzer und Reinhard Mußgnug
Berschin:
https://mp3.swr.de/swr2/journal/interviews/124765.6444m.mp3
Mußgnug
https://mp3.swr.de/swr2/journal/interviews/124712.6444m.mp3
Heinzer
https://mp3.swr.de/swr2/journal/interviews/124497.6444m.mp3

Interview mit Claudia Fabian (BSB)
https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2006/09/29/dkultur_200609291925.mp3

Interview mit Lieselotte E. Saurma
https://ondemand-mp3.dradio.de/podcast/2006/09/28/dlf_200609281737.mp3

Gespräch Prof. Mußgnug, Dr. Vogt, Dr. Graf
https://mp3.swr.de/swr2/forum/swr2_forum_20060928_handschriftendeal.6444m.mp3

Gespräch Präsidentin des Museumsverbandes BW
https://mp3.swr.de/swr2/journal/interviews/125508.6444m.mp3

Gespräch mit M. Kronenberg (Museumsbund)
https://mp3.swr.de/swr2/journal/interviews/125482.6444m.mp3

Kommentar bei Dradio.de
https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2006/09/28/dlf_200609281912.mp3

Was sind uns alte Handschriften wert?
Zur Diskussion um den Kulturgüterschutz
Gespräch mit der Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, Isabel Pfeiffer-Poensgen
Moderation: Stefan Koldehoff
https://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturfragen/553495/
https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2006/10/15/dlf_200610151706.mp3

SWR2 Zeitgenossen
Sonntag, 8.10.2006, 14.05 bis 14.50 Uhr
Reinhard Mußgnug, ehemaliger Ordinarius für Öffentliches Recht an der Universität Heidelberg, im Gespräch mit Eggert Blum
https://www.swr.de/swr2/sendungen/zeitgenossen/archiv/2006/10/08/index.html
https://www.swr.de/meta/swr2/zeitgenossen/sendungen/2006/10/08/125276.28_64s.rm.ram

Handschriftenverkauf - Baden-Württemberg rudert zurück (Gespräch mit Prof. Mußgnug)
https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2006/10/10/dkultur_200610102340.mp3
Von Uschi Götz, Deutschlandradio Kultur, 10.10.2006 23:40 (mp3, 04:14 min)

MP Oettinger will ein Bild kaufen , das ihm schon gehört : Hans Baldung Grien (incl. Interview mit Prof. Mertens)
Von Sabine Freudenberg, Deutschlandradio Kultur 02.11.2006 23:09
https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2006/11/02/dkultur_200611022309.mp3

Erwähnung im Bundestagsausschuss
https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2006/09/27/dkultur_200609272317.mp3

Deutschlandradio Kultur 18.11.2006 07:10 (mp3, 05:17 min)
https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2006/11/18/dkultur_200611180710.mp3
Korrespondentengespräch: Handschriften-Streit Baden-Württemberg
Autor: Götz, Uschi

https://www.blb-karlsruhe.de/presse_download/bilder.php

Die Seite ist für den Pressedownload gedacht.

Mit Genehmigung des Autors dokumentiere ich einen Brief an den Konstanzer CDU-Landtagsabgeordneten Andreas Hoffmann, der sich auch auf der Reichenau äußerte:
https://www.andreas-hoffmann.info/news_detail,150,,1483,detail.html

Der Brief an Oettinger ist dokumentiert unter
https://andreas-hoffmann.info/download/schr.mp_oettinger_21.09.06.pdf

Einleitend artikuliert H. Verständnis für die "Ultima ratio", den beabsichtigen Verkäufen, dem die Zustimmung nicht verweigert werden könne.

Zumindest "ein Teil" der Reichenauer Handschriften solle nicht dem Verkauf zugeführt, sondern dem Welterbemuseum auf der Reichenau überlassen werden. Er denkt vor allem an das Reichenauer hausbuch. Auch wenn die Verwertung "eines großen Teils der badischen Kulturschätze wohl unausweichlich" sei, sei es wichtig, die "elementarsten Bestandteile" auf Dauer der Allgemeinheit zu erhalten.

Der Brief von Dr. Herkenhoff ist völlig berechtigt. Es ist eine Schande, dass der CDU-Abgeordnete sich nicht ohne Wenn und Aber für den Erhalt für den Erhalt der in die Landesbibliothek gelangte Reichenauer Klosterbibliothek (Handschriften UND Drucke) als Ganzes einsetzt. Hauptsache, er kann ein paar schöne Stücke fürs Klostermuseum herausschlagen. Eine selten schäbige Gesinnung.

Sicher freut sich der Abgeordnete Hoffmann über E-Post:
mdl.hoffmann.kn@t-online.de

Nun der Text des Herkenhoff-Briefs:

Sehr geehrter Herr Hoffmann,

der beabsichtige Verkauf von Handschriften und Alten Drucken der Badischen
Landesbibliothek ist eine Schande! Es in den letzten Tagen deutlich geworden -
zu denken ist etwa an die ausführliche Stellungnahme von Professor Mußgnug in
der FAZ - dass das Land Baden-Württemberg die Ansprüche des markgräflichen
Hauses nicht in letzter Konsequenz geprüft hat bwz.wohl nicht hat prüfen
wollen. Doch von der rechtlichen Basis einmal abgesehen: bei den Zimelien der
Badischen Landesbibliothek handelt es sich nicht um Privatbesitz, sondern um
ein kulturelles Erbe, das uns allen gehört, vor allem aber Wissenschaft und
Forschung zur Verfügung stellen muß, und von daher nicht in einem japanischen
oder amerikanischen Privatsafe verschwinden darf. Wenn Herr Oettinger in seinen
Äußerungen zeigt, dass er nur betriebs- und volkswirtschaftlich denken und
argumentieren kann, hinsichtlich der Kultur aber nur Ignoranz verbreitet,
stellt er als Ministerpräsident dem Land Baden-Württemberg ein einziges
Armutszeugnis aus.

Sie haben es jedoch in meinen Augen geschafft, das miserable Vorgehen von
Ministerpräsident, Finanz- und Wissensschaftsminister, das dem Land
Baden-Württemberg den berechtigten Vorwurf des Kulturvandalismus eingebracht
hat, noch zu übertreffen. Ich beziehe mich dabei auf Ihren im Internet
veröffentlichten Brief an Herrn Oettinger, in dem sie vorschlagen, dem
beabsichtigen Weltkulturerbemuseum quasi aus der Konkursmasse der Badischen
Landesbibliothek noch Reichenauer Handschriften zuzuschlagen. Dies ist schon in
der Sache völlig verfehlt. Bücher sind keine Museumsobjekte. Gerade
Pergamenthandschriften eignen sich aufgrund ihrer Mechanik und empfindlichen
Materialien nicht dazu, ständig aufgeschlagen in Vitrinen zu liegen. (Aus
diesem Grund werden sie auch immer nur für eng begrenzte Fristen in
Ausstellungen gezeigt). Dass Sie die entsetzliche Situation, in die die
Badische Landesbibliothek geraten ist, jetzt dazu nutzen wollen, für Ihren
eigenen Wahlkreis noch einige "Schaustücke" herauszuschlagen,halte ich
unanständig und wirft auf die in Ihrem Brief formulierte Zustimmung zum
Verkauf der Handschriften ein ganz schlechtes Licht.

Ich weiss nicht, ob es Sinn macht, an Sie oder Ihre Kollegen in dieser
Angelegenheit noch in irgendeiner Weise zu appellieren. Herr Oettinger und die
Landesregierung Baden-Württember haben in meinen Augen die Büchse der Pandora
geöffnet. Wenn schon das vergleichsweise reiche und angeblich so
kulturfreundliche Baden-Württemberg anfängt, das Tafelsilber, das kulturelle
Erbe von uns allen zu verscherbeln bzw. Betriebswirten wie Bernhard von Baden
zu überlassen, wird das mit Sicherheit in anderen, weniger wohlhabenden
Bundesländern Nachahmer finden. Den Schaden tragen wir dann alle.

Ich darf Sie bitten, über den Inhalt meines Briefes zumindest einmal
nachzudenken!

Diese Email geht in Kopie an den Südkurier. Ich stelle es der Zeitung frei, ihn
vollständig oder in Auszuügen als Leserbrief zu veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Herkenhoff

-----------------------------------------------------------------------
Dr. Michael Herkenhoff
Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Handschriften und Alte Drucke der
Sektion 4 im DBV
https://www.bibliotheksverband.de/aghandschriften/start.html
Universitäts- und Landesbibliothek Bonn
Adenauerallee 39-41
D-53113 Bonn

Die Idee einer Stiftung, die Salem langfristig sichert und gleichzeitig den Markgrafen bewegt, all seine Kunstschätze dem Staat abzutreten, hat deshalb durchaus Charme.

Meint Arnold Rieger in den Stuttgarter Nachrichten (30.9.2006, S.2) und fährt fort:

Wenn es nicht den Haken gäbe, dass dieses Geschäft auf Kosten alter Handschriften ginge, deren Verkauf das nötige Stiftungskapital erbringen soll. Darf man das? Darf man ein Kunstwerk auf dem Altar des anderen opfern? Schließlich handelt es sich bei den Manuskripten nicht um Fürstennippes, sondern um unwiederbringliche Zeugnisse deutscher Kultur: einen Spiegel des öffentlichen Gedächtnisses. Wer solche Tabus bricht, die obendrein an landsmannschaftliche Empfindlichkeiten rühren, braucht nicht nur gute Argumente, sondern auch Fingerspitzengefühl und Kommunikationstalent. Nichts davon hat die Landesregierung gezeigt.

Sie schuldet der Öffentlichkeit vor allem den Beweis, dass alle anderen Wege begangen oder wenigstens erkundet worden sind, um diesen problematischen Deal zu umgehen. Sponsoren, Landesstiftung, Bürgerinitiativen - vieles ist denkbar, was zur dauerhaften Sicherung der Salemer Anlage und zur Entlastung der Eigentümer führen könnte. Doch was erfährt die staunende Öffentlichkeit? Dass es keine Alternative gebe zu einem Vergleich, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgehandelt wurde und eine Menge Fragen aufwirft. Ist es wirklich aussichtslos, gegen das Adelshaus um die Kunstwerke zu prozessieren, wie es zwei Rechtsgutachter behaupten? Darüber gibt es in der Fachwelt unterschiedliche Meinungen. Wenn nun der Streit um die "Türkenbeute" und andere Schätze ohnehin schon seit 90 Jahren schwelt, dann sollte man sich die Zeit nehmen, um diese Frage sorgfältig zu klären - zum Beispiel mit einem zweiten Gutachten. Auch die Frage, wie viel das Haus Baden bisher in den Erhalt des Denkmals investiert hat, ist nicht beantwortet. Stattdessen wurde vereinbart, der Familie 30 Millionen Euro als Entschädigung zu zahlen.

Nur widerstrebend und nach massiven Protesten rang sich die Landesregierung in dieser Woche eine Erklärung ab: eine Feuerwehraktion, aber keine vertrauensbildende Maßnahme. Für die größte Verwunderung sorgt aber der Ministerpräsident selbst. Der ansonsten so kunstsinnige Regierungschef tat die Diskussion mit der schnoddrigen Bemerkung ab, diese schlage sich ja nur auf den Kulturseiten der Zeitungen nieder: ein kleiner, unsensibler Satz, der noch lange nachhallen wird. Man muss nicht die überzogenen Reaktionen aufgeregter Professoren teilen, die den "Ausverkauf der Vergangenheit" beschwören, um zu bilanzieren: Der Vergleich mit dem Haus Baden ist mangelhaft begründet und miserabel kommuniziert. Mit dem Effekt, dass Baden-Württembergs Image als Kunstland international Schaden erleidet.


Die Stuttgarter Zeitung widmet dem Skandal heute eine Sonderseite. Den größten Raum nimmt eine einfühlsame Home- bzw. besser Castle-Story zu Bernhard von Baden ein, dessen Belastung durch das riesige Areal Salem und die Unterhaltungskosten dargestellt werden. "Alles ist in einem Topzustand" wird der junge Adelige zitiert, was die Frage nahelegt, ob dann nicht ein weniger übereiltes, mit dem Verlust unschätzbarer Werte für die Landeskultur verbundenes Vorgehen angezeigt sei. Die 70 Millionen müssen ja nicht sofort aufgebracht werden. Das Land könnte eine Bürgschaft für die akuten Verbindlichkeiten übernehmen und dann könnte man in Ruhe nach Lösungsmöglichkeiten sowohl für die Salem-Frage als auch für die ungeklärten Eigentumsverhältnisse des Kulturguts suchen.

Außerdem erfährt man etwas über die vielen Preziosen der Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek und über den Volkszorn in Baden: "Badens Volksseele kocht. Der drohende Verkauf der Handschriftensammlung eint Bürger und Kommunalpolitiker über alle Parteigrenzen hinweg. Mit Unterschriftenlisten und Resolutionen wettern sie gegen den Plan der Landesregierung".

In der FAZ gibt es heute drei Leserbriefe gegen den Verkauf.

Im Tagesspiegel schreibt Bernhard Schulz:

Die Erhaltung eines Baudenkmals, eben des weitläufigen Schlosses Salem, gegen die Verschleuderung von Büchern aufzuwiegen, ist jedenfalls eine grobe Missachtung der Verpflichtung des Landes zu Schutz und Bewahrung öffentlichen Kulturguts.

Denn anders, als die Landesregierung sich von den agilen Hausjuristen Bernhards von Baden hat einreden lassen, sind die Eigentumsverhältnisse keineswegs so undurchsichtig, dass der jetzt angestrebte Rechtsvergleich „gerechtfertigt“ wäre, wie der Finanzminister behauptet. Die badische Verfassung von 1818 – als sich nach Napoleon überall absolutistische Reiche in konstitutionelle wandelten – nennt das landesherrliche Vermögen „nach allgemein anerkannten Grundsätzen des Staats- und Fürstenrechts unstreitiges Patrimonialeigentum des Fürsten und seiner Familie“. Letztendlich auf diesen Passus stützt der Markgraf seinen Eigentumsanspruch. Denn der 1919 geschlossene Vertrag des nunmehr republikanischen Landes Baden mit dem vormalig Großherzoglichen Haus schlägt diesem das Patrimonialeigentum „als Privateigentum“ zu – und zwar ausdrücklich Teile des Grundbesitzbestandes, ohne jedoch den Kunst- und Bibliotheksbesitz zu erwähnen. Das Land Baden und seit 1952 das vereinte Baden-Württemberg haben diese Bestände denn auch seither gepflegt, wissenschaftlich bearbeitet und zugänglich gemacht. Zweifel an der öffentlichen Trägerschaft gab es über all die Jahrzehnte hinweg nie.


https://www.tagesspiegel.de/kultur/archiv/01.10.2006/2812461.asp

In den Stuttgarter Nachrichten bekommt Oettinger sein Fett weg:

Groß herausgekommen ist der bekannte Stuttgarter Ministerpräsident Oettinger. Dieser Virtuose des verschwäbelten Nasalknödels, dieser Mundart-Berserker aus Ditzingen will am Verkauf der wertvollen Handschriften aus der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe festhalten. Mit den 70 Millionen Euro soll das ehemalige Zisterzienserkloster Salem saniert werden, das der Markgrafenfamilie gehört.

Die "Süddeutsche Zeitung" schreibt: "Oettinger ist heute - in diesem Zusammenhang muss man sagen: leider - Ministerpräsident von Baden-Württemberg. In dieser Funktion möchte er nun einen Teil der Kultur des Abendlands verhökern." Und in so scharfem Ton hauen die Münchner Kollegen selten drein: "Der Vorgang ist empörend: Eine Sammlung, die Jahrhunderte sowie Kriege, Umstürze, Pleiten und Plünderungen überlebt hat, wird von einem emporgekommenen Provinzpolitiker versilbert. Wes Ungeistes Kind Oettinger ist, beweist er jetzt durch den Satz, dass die Kritik an diesem Vorhaben nicht auf den Wirtschaftsseiten der Zeitungen stehe, sondern nur im Kulturteil. Der Sinn dieses Satzes ist klar: Die Wirtschaft ist ernst zu nehmen. Wer aber Kultur ernst nimmt, hat einen Sprung in der Schüssel."

Nun greift auch das Kanzleramt in den Streit um den geplanten Verkauf badischer Kulturgüter durch das Land Baden-Württemberg ein. Nach Medienberichten wird geprüft, ob die Bundesregierung ein Exportverbot für die Handschriften beantragen soll. Unterdessen wächst der Protest in der Wissenschaft.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) lasse ein Ausfuhrverbot der Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe prüfen, berichten das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" und die Nachrichtenagentur dpa. Die entsprechende Klausel im Kulturschutzgesetz, nach der auch der Bund "zur Wahrung eines gemeindeutschen Interesses" ein solches Verbot verlangen kann, habe man "durchaus im Blick", hieß es demnach.

Auch der Bundestags-Kulturausschuss wird sich mit dem drohenden Verkauf der einzigartigen mittelalterlichen Handschriften befassen, wie der Ausschussvorsitzende Hans-Joachim Otto (FDP) dem Magazin sagte. "Es geht nicht um irgendwelche Reminiszenzen an Baden, es geht um eine national bedeutsame Sammlung."
Bei Ausfuhrverbot weit geringerer Erlös

Der Leiter der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe, Peter Michael Ehrle, muss bis dem 10. Oktober eine "Negativliste" mit nicht verkäuflichen Werken erstellen. Eine endgültige Liste der zu versteigernden Kunstwerke soll eine Kommission aus Beamten, Experten und einem Vertreter des Hauses Baden bis Jahresende festlegen. Sollte die Ausfuhr untersagt werden und die Werke nur auf dem deutschen Markt verkauft werden können, ließe sich nach der Schätzung eines Antiquars im Vergleich zum Weltmarktpreis "nur ein Viertel erlösen".

https://www.swr.de/nachrichten/bw/-/id=1622/nid=1622/did=1577622/59qq6c/index.html

Laut
https://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/KULTUR/684213.html
ist von einem "involvierten Antiquar" die Rede. In dieser Liga spielt aber nur Dr. Jörn Günther (Hamburg), der immer dabei ist, wenn es um Millionenwerte geht. Es ist durchaus nicht auszuschließen, dass dieser skrupellose Händler den ganzen Deal einfädelt hat.

***

Das Gesetz zum Schutz deutschen Kulturgutes gegen Abwanderung
https://www.gesetze-im-internet.de/kultgschg/BJNR005010955.html

§ 3

(1) Die Eintragung kann auf Antrag oder von Amts wegen erfolgen. Die Landesregierung regelt das Antragsrecht durch Rechtsverordnung. Sie kann diese Befugnis auf die zuständige oberste Landesbehörde übertragen.

(2) Zur Wahrung eines gemeindeutschen Interesses kann der Beauftragte der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien die Eintragung in das Verzeichnis beantragen.


Absatz 2 wäre allerdings eine Möglichkeit, die Trümpfe der Landesregierung auszustechen. Ein solcher Antrag wäre aber zugleich eine schallende Ohrfeige für die Landesregierung.

Martin Zwilling (FU Berlin) hat eine geniale Anzeigenidee unter
https://www.martin-zwilling.de/BW.htm
abgelegt.

Weh täte das der Landesregierung aber nur, wenn diese Anzeige tatsächlich in einem überregionalen Organ erschiene. Da Herr MP Oettinger bereits bekundet hat, dass ihn das Feuilleton nicht schert, sollte man vorrangig an den Wirtschaftsteil der FAZ, an die Financial Times Deutschland oder das Handelsblatt denken ...

Gab es jemals einen so gewaltigen wissenschaftlichen Protest in Sachen Kulturgutverluste?

Der von den Marburger Altgermanisten Joachim Heinzle und Klaus Klein initiierte offene Brief hat beispiellosen Zulauf.

https://cgi-host.uni-marburg.de/~mrep/brief/

Soeben zählte ich über 2000 Unterschriften.

Von hunderten von Wissenschaftlern spricht der SWR:
https://www.swr.de/nachrichten/bw/-/id=1622/nid=1622/did=1577622/59qq6c/index.html

In einem offenen Brief im Internet protestieren hunderte Wissenschaftler und Mittelalterforscher aus dem In- und Ausland gegen den geplanten Verkauf der Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek. "In einem beispiellosen Akt der Barbarei würde dem Land damit ein zentraler Bestand seines kulturellen Erbes genommen", heißt es in dem Schreiben an Baden- Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) und die Landtagsabgeordneten. Initiiert wurde die Aktion von den Marburger Mittelalterforschern Joachim Heinzle und Klaus Klein.

Die Handschriften der Karlsruher Bibliothek "dokumentierten in einzigartiger Weise das geistige Leben der Region, wie es sich über Jahrhunderte entwickelt hat ", heißt es weiter in dem Brief. Mit einem Verkauf würde die Sammlung "in alle Winde zerstreut".

Mehr als 1.700 Fachleute hätten bereits unterzeichnet, sagte Klein. "Die Resonanz ist wahnsinnig." Auch der amerikanische Harvard-Professor und Kunsthistoriker Jeffrey Hamburger sowie Forscher zahlreicher Universitäten, Bibliotheken und Forschungseinrichtungen haben ihren Namen unter den Brief setzen lassen. Auch in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung " war vor kurzem ein offener Protestbrief von 19 Professoren und Kunsthistorikern aus aller Welt veröffentlicht worden.

Quelle: https://www.n-tv.de/716762.html

https://www.icom-deutschland.de/docs/positionspapier.pdf (2004)

Provenienzzusammenhänge werden an keiner Stelle angesprochen.

https://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/forum/type=diskussionen&id=816

Vielen Dank an Markus Malo! Auszug:

Die Diskussion um den geplanten Verkauf der Handschriften sowie die Dokumentation der bislang zu diesem Thema erschienenen Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, offenen Briefe usw. ist in zahlreichen Mailinglisten, Weblogs und Webseiten im Internet zu verfolgen. Eine Auswahl einschlägiger Internetadressen, die sich dieser Aufgabe widmen, befindet sich am Ende dieser Mail.

Diejenigen, die den Erhalt der Sammlung unterstützen möchten, können dies durch Unterzeichnung eines offenen Briefs an den Ministerpräsidenten und die Landesregierung von Baden-Württemberg tun. Den Wortlaut des offenen Briefes findet sich unter der URL cgi-host.uni-marburg.de/~mrep/brief/ ; hier können Sie sich per Mail an kleink@staff.uni-marburg.de diesem offenen Brief anschließen.

Weblinks, über die weitere Informationen zu diesem Thema zur Verfügung gestellt werden:

www.blb-karlsruhe.de - Dokumentation über Presseberichte, Presserklärungen usw. zum geplanten Ausverkauf

Weblogs:

archiv.twoday.net/
log.netbib.de/

Mailinglisten

www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/date1.html - Über das Listenarchiv kann die Diskussion in der bibliothekarischen Fachöffentlichkeit verfolgt werden. Das Archiv ist tagesaktuell.

www.aedph.uni-bayreuth.de/mediaevistik.htm - Leider wird das Archiv dieser Liste nur monatlich aktualisiert, d.h. um die Debatte hier nachzuverfolgen, muß die Liste abonniert werden.

Für die Redaktion

Markus Malo

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Redaktion H-Germanistik
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Tel: 0711/685-83815 FAX: 0711/685-83502
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